Cubby Greenwich ist Schriftsteller und erhält zu seinem neusten Bestseller eine Rezension des gefürchteten Literaturkritkers Shearman Waxx. Eine vernichtende Rezension. Greenwich versucht, diesen Tiefschlag auf Anraten seiner Familie und Freunde locker zu nehmen. Doch als er erfährt, dass Waxx ganz in seiner Nähe wohnt und zudem noch regelmäßig in seinem Lieblingsrestaurant essen geht, kann er nicht widerstehen. Cubby speist zur selben Zeit mit seinem Sohn in besagtem Restaurant, um sich den gefürchteten Kritiker, von dem es bislang kein Bild im Internet gibt, auf dem er zu erkennen ist, aus der Nähe anzusehen. Mehr nicht. Doch sie stoßen aufeinander, wenngleich augenscheinlich harmlos, doch von da an wandelt sich das Leben von Cubby und seiner Familie zum Alptraum. Waxx ist ein Psychopath, der sich zum Ziel gesetzt hat Greenwich nebst Frau und Kind umzubringen.
Dean Koontz hat es mal wieder geschafft, mich von der ersten Seite an in seinen Bann zu ziehen. Nicht etwa, weil gleich zu Beginn Spannung herrscht, dass man sich vor Furcht die Nägel runterbeißt, sondern eher, weil er eine überaus erfrischende und witzige Art hat, seinen Protagonisten Cubby Greenwitch zu Wort kommen zu lassen. Aus der Ich-Perspektive schildert dieser die Ereignisse und legt eine beißende Selbstironie und einen zum Teil schreiend komischen Sarkasmus an den Tag. Ansich besticht Koontz mal wieder durch einen professionellen sprachlichen Stil, den er auf allen Ebenen halten kann.
Die Charaktere waren mir allesamt sympathisch - die 'Guten'. Ausnahme bildete nur Cubbys Literaturagent, der an Nervigkeit nicht zu übertreffen ist. Doch dies war ganz offensichtlich geplant, somit ist das kein Minuspunkt. Allerdings sind alle Personen in ihrer Art und mit ihren Fähigkeit sehr überzeichnet. Gerade in Bezug auf Cubby Greenwich, für den 'Trottel' in Verbindung mit technischen Geräten und technischem Verständnis noch ein Kompliment darstellen würde, irritierte mich das anfangs sehr. Als jedoch die Ursache dafür gelüftet wurde, erschien es sogar ausgesprochen logisch und folgerichtig und somit konnte ich mit diesem Wesenszug Greenwichs meinen Frieden schließen. Auch Sohn Milo Greenwich ist ein sechsjähriges Kind, das es so in der Realität kaum gibt. Er ist ein Erfindergeist und was er mit seinen sechs Jahren alles schon macht - und auch machen darf - überschreitet für mich die Grenze des Realistischen. Dennoch stört es mich nicht wirklich, denn der ganze Plott ist irgendwie übernatürlich, somit passen die schillernden Figuren alle hinein. Man darf diesen Roman nur nicht lesen, mit der Erwatungshaltung, alles nach 'normal rationalen Gesetzen' vorzufinden. Somit sortiere ich das Werk auch unter 'Mystery' ein und nicht nur unter 'Thriller'.
Das Ende lief für meinen Geschmack ein wenig zu glatt. Zwar gibt es einen klassischen Showdown, der zu überraschen weiß, weil man sich die Umstände nicht hätte herleiten können. Ich bin zwar kein Fan von Antagonisten, die zig Leben haben und immer und immer wieder aufstehen, doch ein bisschen erkämpfen sollten sich die Protagonisten das Happy End schon. Das kommt hier zu kurz.
Trotz der Kritikpunkte war es für mich ein spannendes Lesevergnügen. Ein Koontz halt mit all seinen Stärken und Schwächen.
Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
ISBN-10: 3453266544
ISBN-13: 978-3453266544
Preis: 19,99 Euro (gebundene Ausgabe)
8,99 Euro (Taschenbuch)
7,99 Euro (Kindle Edition)
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Mittwoch, 5. September 2012
Dienstag, 4. September 2012
Dean Koontz - Der Rabenmann / Die schwarze Feder
Als John Calvino gerade einmal 14 Jahre alt ist, wird seine gesamte
Familie im Rahmen einer Mordserie, begangen von dem Rabenmann Alton
Turner Blackwood, ausgelöscht. Sie ist die vierte Familie, die Blackwood
auf dem Gewissen hat und es wären sicherlich noch unzählige mehr
geworden, hätte John Calvino den Rabenmann in der Nacht, in der seine
Eltern & Schwestern ermordet wurden, nicht zur Strecke gebracht. Jahre später - Calvino ist inzwischen bei der Polizei und hat selbst Frau und drei Kinder - wird eine Familie vom eigenen Sohn ermordet. Obwohl der Rabenmann tot ist, erinnern die Umstände und gewisse Details der Morde an die Gräueltat, die seiner Familie widerfahren ist. John beginnt zu ermitteln, obwohl ihm der Fall nicht zugeteilt wurde, und findet immer mehr Hinweise darauf, dass Blackwood - so unwahrscheinlich es auch scheint - zurückgekehrt ist und er und seine Familie auf der Liste des Killers stehen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn es ist nahezu unmöglich, gegen einen derart übermächtigen Gegner, dessen Existenz nicht zweifelsfrei bewiesen werden kann, Verbündete zu finden ...
Dean Koontz hat für meinen Geschmack mal wieder ein hervorragendes Werk mit viel Spannung geschaffen.
John Calvino ist als Charakter sehr gut gelungen, mit all seinen Abgründen, Zweifeln und persönlichen Dämonen. Ebenso Alton Turner Blackwood, dessen Geschichte in Form von Tagebucheintragungen immer wieder in die Haupthandlung einfließt, und ihn so noch greifbarer und bedrohlicher macht. Auch bei den Kindern von Calvino ist Koontz nicht in Oberflächlichkeit verfallen, sondern hat sie mit Träumen, Hoffnungen, Ängsten & persönlichen Macken versehen, die sie dreidimensional werden lassen. Wahrlich meisterlich!
Der Plot ist spannend, das Tempo jedoch nicht rasant sondern ein wenig gemäßigt - was dem Thrill für meinen Geschmack zugute kommt. Der Spannungsbogen wölbt sich nicht einem Regenbogen gleich, sondern erfährt mehrmals ein auf und ab. Für diese Geschichte eine gute Wahl. Der sprachliche Stil zeugt für mein Empfinden von schriftstellerischer Professionalität. Lediglich manche Ausführungen - insbesondere von John Calvinos alltäglichen Handlungen - sind mir an einigen Stellen zu ausschweifend und dadurch kommt latent Langeweile auf. Doch bevor diese sich einzunisten droht, geht es gewohnt spannend weiter, und ich kann über diese "Ausrutscher" hinwegsehen, die vielleicht nur ich persönlich als solche empfinde. Geschmacksache eben.
Das Ende hat mich überrascht, denn ich habe mir die ganze Zeit über die Frage gestellt: Wie kommt er aus der Nummer wieder raus, ohne sich totaler Klischees oder an den Haaren herbei gezogenen Zufällen zu bedienen. Doch er hat es geschafft. Es kommt zwar irgendwie die Deus Ex Machina zum Einsatz - sogar wortwörtlicher als man das meistens mit dem Begriff verbindet - doch ich konnte es als plausibles Ende annehmen, ohne enttäuscht zu sein. Nicht überragend, aber Koontz hat es auch nicht vermasselt.
Fazit: Ein spannender Mystery-Thriller! Für Thriller Fans ein Muss!
Übrigens ist die Kurzgeschichte (7 Kapitel) "Die schwarze Feder" auch empfehlenswert. Sie handelt von der Zeit noch vor der Ermordung John Calvinos Familie und gibt einen guten Einblick in die Entwicklung Alton Turner Blackwoods und darüber, warum er eines Tages dazu überging, ganze Familien anstatt "nur noch" eizelne Opfer zu ermorden. Das Beste ist, man liest sie, bevor man den Roman beginnt, doch auch anschließend sorgt sie für spannende Lesemomente. Die Kurzgeschichte ist ausschließlich als e-book erhältlich.

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (12. Dezember 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453267354
ISBN-13: 978-3453267350
Preis gebundene Ausgabe: 19,99 €
Preis Kindle Edition: 15,99 €
Yrsa Sigurdardóttir - Geisterfjord
Yrsa Sigurdardóttir hat mit Geisterfjord ihren ersten Thriller
geschrieben, der als eigenständiger Roman steht, und nicht in der Reihe
rund um die Rechtsanwältin und Hobby-Ermittlerin Dora Gudmundsdóttir
spielt. Drei junge Leute aus Reykjavik - Katrin, ihr Ehemann Gardar und deren gemeinsame Freundin Lif - haben es sich zur Aufgabe gemacht, ein runtergekommenes Haus in Hesteyri instand zu setzen und später als Gästehaus zu betreiben. Hesteyri liegt auf einer Insel, die nur per Boot erreichbar ist und das auch nur, wenn die Wetterbedingungen mitspielen, die jedoch in der Herbstzeit bereits unberechenbar sind. Ausgerüstet mit Materialien für die Renovierung, einigen Lebensmitteln, drei Handys und sonstigen - wenigen - Dingen, die das Überleben in der unwirklichen Landschaft garantieren, lassen sie sich von einem Skipper übersetzen und vereinbaren die Abholung für eine Woche später - sofern nichts dazwischen kommmt. Doch die ersten Zwischenfälle, die den Aufenthalt der jungen Leute nach und nach zur nervlichen Zerreißprobe werden lassen, ereignen sich bereits kurz nach ihrer Ankunft.
Parallel dazu spinnt die Autorin einen zweiten Handlungsstrang rund um den Psychologen Freyr, der von Kriminalkommissarin Dagný bei einem auf den ersten Blick 'harmlosen' Fall zu Rate gezogen wird. In einem Kindergarten wurde eingebrochen, etliche Dinge zerstört und an einer Wand das Wort "schmutzig" hinterlassen. Kein schönes Ereignis für die Betroffenen, aber zunächst sieht alles nach mutwilligem Vandalismus ohne erkennbarem Motiv aus. Doch bei einem Gespräch mit einem Patienten erfährt Freyr von einem ganz ähnlichen Fall, der sich Jahrzehnte zuvor an der Schule, an der der Patient früher unterrichtete, ereignet hat. Auch dort wurde ein Feld der Verwüstung hinterlassen und die Worte "hässlich" sowie "schmutzig" auf den Wänden verewigt, zusätzlich ein Klassenfoto verunstaltet. Nicht sicher, ob es sich nicht nur um einen Zufall handelt, stellt Freya mit Dagnýs Hilfe weitere Nachforschungen an und stößt auf Dinge, die ihn schnell an seinem Verstand zweifeln lassen. Nicht nur, dass die Kinder, deren Gesichter auf dem Klassenfoto bei dem Einbruch in der Schule damals bis zur Unkenntlichkeit verschandelt worden sind, nach und nach auf mysteriöse Weise wegsterben und seltsame Male in Form von Kreuzen auf dem Rücken haben, bei denen unklar ist, wer ihnen diese zugefügt hat. Plötzlich scheint auch das Verschwinden von Freyrs Sohn Benni von vor drei Jahren in Zusammenhang mit den Ereignissen zu stehen, obwohl sich der Psychologe lange nicht erklären kann, in welcher Weise.
Yrsa Sigrudardóttir versteht es auf grandiose Weise, Spannung aufzubauen und diese bis zum Schluss auf einem hohen Level zu halten. Wenngleich der Plot bisweilen ein wenig konstruiert wirkt, lassen einen die Spannungs-Daumenschrauben, die sie unerbittlich anlegt, darüber hinweg sehen. Die Erzählweise ist straff und direkt, ohne viele Schörkel wie Landschafts- oder Personenbeschreibungen. Gerade das trägt im Zusammenhang mit der Storyline zu der beklemmenden Atmosphäre bei, die es unmöglich macht, das Buch eher wieder aus der Hand zu legen, als dass das letzte Wort gelesen wurde. Die Charaktere sind überzeugend und nur soweit vielschichtig, wie es ihre Rolle innerhalb der Geschichte erfordert. Auch das fand ich gelungen. Man muss das Buch allerdings sehr aufmerksam lesen, um die ganzen Verbindungen zu verstehen, die sich plötzlich zwischen den , vermeintlich für sich stehenden, Ereignissen auftun. Ein Teil der Entwicklungen ist gegen Ende vorhersehbar - was nicht negativ gemeint ist - auf einige Sachen konnte man jedoch nicht kommen, egal wie aufmerksam man das Buch gelesen hat. Normalerweise fühle ich mich bei solchen Wendungen immer ein wenig unwohl und als Leser "verschaukelt", doch da es sich hier nicht um einen klassischen Ermittlerkrimi handelt, sondern um einen Roman mit einer gehörigen Portion Mystery, ist das in dem Fall für mich völlig in Ordnung gewesen. Dennoch ließ mich die letzte Passage des Buches erstmal ratlos zurück, da ich sie nicht einzuordnen wusste. Es konnte die Vorbereitung auf einen Nachfolger sein, ebenso aber der ein wenig holprig umgesetzte Versuch, das Buch mit offenem Ende zu versehen und den Leser mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend zurückzulassen. Ganz sicher bin ich mir noch immer nicht, was davon zutrifft.
Wer gut portionierte Mystery mag und einen Faible für Romane mit beklemmender Atmospähre hat, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.
Broschiert: 358 Seiten
Verlag: S.Fischer Verlage
ISBN-10: 3596192730
ISBN-13: 978-3596192731
Preis: 8,99 € (gebundene Ausgabe / Kindle Edition)
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